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Mictonorm® 30 mg

Labatec Pharma SA

Die Wirksamkeit und Sicherheit von Mictonorm 30 mg Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung wurden von Swissmedic nur summarisch geprüft. Die Zulassung von Mictonorm 30 mg Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung stützt sich auf Mictonorm XL 30 mg mit Stand der Information vom November 2017, welches denselben Wirkstoff enthält und in Grossbritannien zugelassen ist.

Zusammensetzung

Wirkstoffe

Propiverinum hydrochloridum.

Hilfsstoffe

Pellets

·acidum citricum

·polyvidonum

·lactosum monohydricum 5.7 mg

·talcum

·triethylis citras

·magnesii stearas

·acidi methacrylici et methylis methacrylatis polymerisatum 1:1

·acidi methacrylici et methylis methacrylatis polymerisatum 1:2

·ammonio methacrylatis copolymerum A

·ammonio methacrylatis copolymerum B

Hartkapsel

·gelatina

·titanii dioxidum E 171

·ferrum oxydatum rubrum E 172

·ferrum oxydatum flavum E 172

Darreichungsform und Wirkstoffmenge pro Einheit

Hartkapsel mit veränderter Wirkstofffreisetzung. Jede Kapsel enthält 30 mg Propiverinhydrochlorid.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Zur symptomatischen Behandlung von Harninkontinenz und/oder erhöhter Miktionsfrequenz und imperativem Harndrang bei Patienten mit überaktiver Blase.

Dosierung/Anwendung

Übliche Dosierung

Empfohlene Tagesdosen sind:

Erwachsene: Als Standarddosis wird eine Hartkapsel (= 30 mg Propiverinhydrochlorid) einmal täglich empfohlen.

Dosisanpassung aufgrund unerwünschter Interaktionen

Patienten, die gleichzeitig mit Medikamenten behandelt werden, die starke CYP 3A4-Inhibitoren in Kombination mit Methimazol sind

Patienten, die mit potenten Inhibitoren der flavinhaltigen Monooxygenase (FMO) wie Methimazol und gleichzeitig mit potenten Inhibitoren des Cytochrom-Enzyms CYP 3A4/5 behandelt werden, sollten mit einer Anfangsdosis von 15 mg/Tag behandelt werden. Diese Dosis kann mit Mictonorm 30 mg nicht erreicht werden und muss mit in der Schweiz zugelassenen und erhältlichen Propiverin-Präparaten erreicht werden. Die Dosis kann anschliessend vorsichtig auftitriert werden. Jedoch sollte die Behandlung vorsichtig erfolgen und Ärzte sollten diese Patienten sorgfältig hinsichtlich auftretender Nebenwirkungen beobachten.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Patienten mit Leberfunktionsstörungen

Bei Patienten mit einer leichten Einschränkung der Leberfunktion besteht keine Notwendigkeit der Dosisanpassung; die Behandlung sollte jedoch mit Vorsicht erfolgen. Es wurden keine Studien durchgeführt, um die Anwendung von Propiverin bei Patienten mit mittelschwerer oder schwerer Einschränkung der Leberfunktion zu untersuchen. Die Anwendung wird deshalb bei diesen Patienten nicht empfohlen.

Patienten mit Nierenfunktionsstörungen

Bei Patienten mit einer leichten oder mittelschweren Einschränkung der Nierenfunktion ist keine Dosisanpassung erforderlich.

Ältere Patienten

Im Allgemeinen gibt es kein spezielles Dosierungsregime für Ältere.

Kinder und Jugendliche

Aufgrund fehlender Daten sollten Mictonorm Hartkapseln nicht bei Kindern angewendet werden.

Art der Anwendung

Hartkapseln zum Einnehmen.

Hartkapseln nicht zerdrücken oder zerkauen.

Nahrungsmittelaufnahme hat keinen klinisch relevanten Effekt auf die Pharmakokinetik von Propiverin. Daher ist keine spezifische Empfehlung für die Einnahme von Propivirin in Verbindung mit einem Lebensmittel gerechtfertigt.

Kontraindikationen

Das Medikament ist bei Patienten kontraindiziert, die eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff gezeigt haben oder einen der sonstigen Bestandteile sowie bei Patienten mit einer der folgenden Erkrankungen kontraindiziert:

·Darmobstruktion

·ausgeprägte obstruktive Blasenentleerungsstörungen mit vorhersehbarem Harnverhalt

·Myasthenia gravis

·Darmatonie

·schwere Colitis ulcerosa

·toxisches Megacolon

·unbehandeltes Engwinkelglaukom

·moderate oder schwere Leberfunktionsstörung

·Tachyarrhythmien

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Das Arzneimittel sollte mit Vorsicht angewendet werden bei Patienten mit:

·autonomer Neuropathie

·Nierenfunktionsstörungen

·Leberfunktionsstörungen

Die Symptome folgender Erkrankungen können sich nach Verabreichung des Arzneimittels verstärken:

·schwere kongestive Herzinsuffizienz (NYHA IV)

·Prostatahypertrophie

·Hiatushernie mit Refluxoesophagitis

·Arrhythmie

·Tachykardie.

Wie auch andere Anticholinergika induziert Propiverin eine Mydriasis. Daher kann bei prädisponierten Personen mit engem Kammerwinkel der vorderen Augenkammer ein erhöhtes Risiko bestehen, Glaukomanfälle zu induzieren.

Es liegen Berichte vor, dass Wirkstoffe dieser Klasse, einschliesslich Propiverin, akute Engwinkelglaukomanfälle induzieren oder verstärken können.

Pollakisurie und Nykturie infolge von Nierenerkrankungen oder dekompensierter Herzinsuffizienz sowie organische Blasenerkrankungen (z.B. Harnwegsinfektionen, Malignome) sollten vor der Behandlung ausgeschlossen werden.

Patienten mit der seltenen hereditären Galaktose-Intoleranz, Laktase-Mangel oder Glukose-Galaktose-Malabsorption sollten das Arzneimittel nicht einnehmen.

Interaktionen

Pharmakokinetische Interaktionen

Pharmakokinetische Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln, die durch Cytochrom P450 3A4 (CYP 3A4) metabolisiert werden, sind möglich. Jedoch wird ein sehr ausgeprägter Konzentrationsanstieg für solche Arzneimittel nicht erwartet, da die Wirkungen von Propiverin im Vergleich zu klassischen Enzyminhibitoren (z.B. Ketoconazol oder Grapefruit-Saft) gering sind. Propiverin gilt als schwacher Hemmer der mikrosomalen Monooxygenase (CYP 3A4). Pharmakokinetische Untersuchungen bei Patienten, die gleichzeitig starke CYP 3A4-Hemmer wie Azol-Antimykotika (z.B. Ketoconazol, Itraconazol) oder Makrolid-Antibiotika (z.B. Erythromycin, Clarithromycin) erhalten, sind nicht durchgeführt worden.

Enzyminduktoren

Patienten, die eine gleichzeitige Behandlung mit Methimazol und mit Arzneimitteln erhalten, die starke CYP 3A4-Hemmer sind:

Bei Patienten, die Arzneimittel einnehmen, die wirksame Hemmer der flavinhaltigen Monooxygenase (FMO) sind, wie z.B. Methimazol, und gleichzeitig mit starken CYP 3A4-Hemmern behandelt werden, sollte die Behandlung mit einer Tagesdosis von 15 mg Propiverinhydrochlorid beginnen. Die Dosierung kann danach erhöht werden. Vorsicht ist jedoch geboten und Ärzte sollten diese Patienten sorgfältig bezüglich auftretender Nebenwirkungen überwachen.

Wirkung von Mictonorm 30 mg Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung auf andere Arzneimittel

·Wirkungsverstärkung durch gleichzeitige Verabreichung von tricyclischen Antidepressiva (z.B. Imipramin), Tranquilizern (z.B. Benzodiazepine), Anticholinergika bei systemischer Applikation, Amantadin, Neuroleptika (z.B. Phenothiazine) und Beta-Adrenozeptor-Agonisten (Beta-Sympathikomimetika).

·Wirkungsabschwächung durch gleichzeitige Verabreichung von Cholinergika.

·Blutdrucksenkung bei Patienten unter Isoniazidbehandlung.

·Die Wirkung von Prokinetika wie Metoclopramid kann verringert werden.

Schwangerschaft, Stillzeit

Schwangerschaft

Es gibt keine hinreichenden Daten zur Anwendung bei Schwangeren.

In tierexperimentellen Studien fand sich eine Reproduktionstoxizität (nähere Angaben unter dem Kapitel «Präklinische Daten»).

Während der Schwangerschaft darf das Arzneimittel nicht verabreicht werden.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Propiverin oder dessen Metabolite in die humane Muttermilch übergehen. Die zur Verfügung stehenden pharmakodynamischen / toxikologischen Daten von Tieren zeigten, dass Propiverin oder Metabolite in die Milch übergehen.

Ein Risiko für das Neugeborene / Kind kann nicht ausgeschlossen werden.

Es muss eine Entscheidung darüber getroffen werden, ob das Stillen zu unterbrechen ist oder ob auf die Behandlung mit Propiverin verzichtet werden soll. Dabei ist sowohl der Nutzen des Stillens für das Kind als auch der Nutzen der Therapie für die Frau zu berücksichtigen.

Fertilität

Es gibt keine humanen Daten von Propiverin bezüglich des Effekts auf die Fertilität.

Tierexperimentelle Studien ergaben keine Hinweise auf direkte oder indirekte gesundheitsschädliche Wirkungen in Bezug auf die Fruchtbarkeit.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Es wurden keine Studien zur Verkehrstüchtigkeit und zur Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen durchgeführt.

Propiverin kann zu Benommenheit und Verschwommensehen führen. Dadurch kann unter Einnahme dieses Arzneimittels die Fähigkeit des Patienten zum Ausführen von Tätigkeiten, die mentale Aufmerksamkeit erfordern, wie etwa das Führen von Kraftfahrzeugen, das Bedienen von Maschinen oder das Ausführen gefährlicher Arbeiten, eingeschränkt sein.

Sedativa können die von Propiverin verursachte Benommenheit verstärken.

Unerwünschte Wirkungen

Innerhalb jedes Organsystems werden unerwünschte Wirkungen unter Häufigkeitsüberschriften klassifiziert, nach der folgenden Konvention:

Sehr häufig (≥1/10)

Häufig (≥1/100 to <1/10)

Gelegentlich (≥1/1000 to <1/100)

Selten (≥1/10 000 to <1/1000)

Sehr selten (<1/10 000)

Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar).

Alle Nebenwirkungen sind vorübergehend und klingen nach einer Dosisreduzierung oder bei Beendigung der Therapie nach maximal 1-4 Tagen ab.

Erkrankungen des Immunsystems

Selten: Überempfindlichkeit.

Psychiatrische Erkrankungen

Sehr selten: Unruhe, Verwirrtheit.

Nicht bekannt: Halluzinationen.

Erkrankungen des Nervensystems

Häufig: Kopfschmerzen.

Gelegentlich: Tremor, Schwindel, Geschmacksstörungen.

Nicht bekannt: Sprachstörung.

Augenerkrankungen

Häufig: Akkommodationsstörungen, Sehstörungen.

Herzerkrankungen

Selten: Tachykardie.

Sehr selten: Palpitationen.

Gefässerkrankungen

Gelegentlich: Blutdrucksenkung mit Benommenheit, Erröten.

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Sehr häufig: Mundtrockenheit.

Häufig: Obstipation, Bauchschmerzen, Dyspepsie.

Gelegentlich: Übelkeit/Erbrechen.

Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes

Gelegentlich: Juckreiz.

Selten: Ausschlag.

Erkrankungen der Nieren und Harnwege

Gelegentlich: Harnverhalt, Blasen- und Harnröhrensymptome.

Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort

Häufig: Müdigkeit.

Beschreibung ausgewählter Nebenwirkungen

Bei einer Langzeittherapie sollten die Leberenzyme kontrolliert werden, da in seltenen Fällen reversible Leberenzymveränderungen auftreten können.

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von grosser Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdacht einer neuen oder schwerwiegenden Nebenwirkung über das Online-Portal ElViS (Electronic Vigilance System) anzuzeigen. Informationen dazu finden Sie unter www.swissmedic.ch.

Überdosierung

Anzeichen und Symptome

Eine Überdosierung mit dem Muscarinrezeptor-Antagonisten Propiverin kann zu schweren anticholinergen Nebenwirkungen führen. Es können periphere Symptome und zentralnervöse Störungen auftreten, wie z. B.:

·starke Mundtrockenheit

·Bradykardie, im weiteren Verlauf Tachykardie möglich

·Mydriasis und Akkommodationsstörungen

·Harnverhalt

·Hemmung der Darmmotilität

·Unruhe, Verwirrtheit, Halluzinationen, Konfabulation

·Schwindel, Übelkeit, Sprachstörungen und Muskelschwäche

Behandlung

·Im Falle einer Überdosierung mit Propiverinhydrochlorid sollte Aktivkohle als Suspension in ausreichend Wasser verabreicht werden.

·Eine Magenspülung ist nur unter Intubationsschutz und Verwendung eines eingeölten Schlauches (trockene Schleimhäute), wenn innerhalb einer Stunde nach Aufnahme von Propiverin durchführbar, in Erwägung zu ziehen. Erbrechen darf nicht induziert werden.

·Forcierte Diurese oder Hämodialyse sind zur Beschleunigung der Elimination nicht effektiv wirksam.

·Bei schweren zentralen anticholinergen Nebenwirkungen (z.B. Halluzinationen, ausgeprägte Erregungszustände) kann Physostigmin als Antidot verabreicht werden.

·Bei Krampfanfällen oder ausgeprägten Erregungszuständen: Behandlung mit Benzodiazepinen

·Bei Atemdepression: Behandlung durch künstliche Beatmung

·Bei Harnverhalt: Behandlung durch Katheterisierung

·Bei Mydriasis: Behandlung mit Pilocarpin-Augentropfen und/oder Abdunkeln des Patientenzimmers

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code

G04BD06

Pharmakotherapeutische Gruppe

Urologika, Mittel bei häufiger Blasenentleerung und Harninkontinenz.

Wirkungsmechanismus

Muskulotrope Spasmolyse durch Hemmung des Calcium-Einstroms und Modulation des intrazellulären Calciums in der glatten Muskulatur der Harnblase.

Hemmung der efferenten Bahnen des Nervus pelvicus durch anticholinerge Wirkung.

Pharmakodynamik

Am Tier bewirkt Propiverinhydrochlorid eine dosisabhängige Abnahme des intravesikalen Drucks und eine Erhöhung der Blasenkapazität. Der Effekt beruht auf der Summe der pharmakologischen Eigenschaften von Propiverin und drei aktiven Harnmetaboliten, wie an isolierten Detrusorstreifen von Mensch und Tier gezeigt werden konnte.

Klinische Wirksamkeit

Nicht zutreffend.

Pharmakokinetik

Propiverin wird fast vollständig aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert. Es unterliegt einem extensiven First-Pass-Metabolismus. Wirkungen an den Zellen der glatten Muskulatur der Harnblase sind durch den Wirkstoff sowie durch drei aktive Metabolite bedingt, die schnell in den Urin ausgeschieden werden.

Absorption

Nach oraler Gabe von Mictonorm 30 mg wird Propiverin aus dem Gastrointestinaltrakt resorbiert und erreicht maximale Plasmakonzentrationen nach 9,9 Stunden.

Die mittlere absolute Bioverfügbarkeit von Mictonorm 30 mg beträgt 60,8 ± 17,3% (arithmetischer Mittelwert aus AUC0-∞ (p.o.) / AUC0-∞ (i.v.)).

Nahrungsmittelaufnahme hat keinen Einfluss auf die Pharmakokinetik von Propiverin.

Die Bioverfügbarkeit von Propiverin nach Nahrungsmittelaufnahme betrug 99% im Vergleich zum Nüchternwert. Die Gabe der Hartkapsel führt zu Cmax -Werten von ca. 70 ng/ml, die innerhalb von 9,5 Stunden nach Gabe erreicht werden. Die Cmax-Werte des Hauptmetaboliten Propiverin-N-oxid werden durch Nahrungsmittel leicht erhöht (f = 1,26), die absorbierte Menge bleibt unverändert. Propiverin-N-oxid zeigte für alle pharmakokinetischen Parameter 90% Konfidenzintervall innerhalb der akzeptierten Grenzen.

Einschränkungen der Gabe in Bezug zur Nahrungsmittelaufnahme sind deshalb nicht notwendig.

Distribution

Nach Gabe von Mictonorm 30 mg wird ein Steady state (Fliessgleichgewicht) nach 4 bis 5 Tagen auf einem höheren Konzentrationsniveau als nach einer Einzelgabe erreicht (CMittelwert = 71 ng/ml).

Das Verteilungsvolumen wurde bei 21 gesunden Probanden nach intravenöser Gabe von Propiverinhydrochlorid bestimmt und lag zwischen 125 und 473 l (Mittelwert 279 l), was darauf hindeutet, dass eine grosse Menge des verfügbaren Propiverins in periphere Kompartimente verteilt wird. Die Plasmaprotein-Bindung beträgt 90 - 95% für die Stammverbindung und etwa 60% für den Hauptmetaboliten.

Pharmakokinetische Eigenschaften (geometrische Mittelwerte; ± SD-Intervall) von Propiverin bei 10 gesunden Probanden nach Einmalgabe von Propiverinhydrochlorid 30 mg und Propiverinhydrochlorid 45 mg Kapseln mit modifizierter Freisetzung:

Dosis [mg]

30

45

ASC0-∞ [ng·h/ml]

1378

(903, 2104)

1909

(1002, 3639)

Cmax [ng/ml]

60,6

(41,5, 88,6)

80,0

(41.8, 152.1)

t½ [h]

14,2

(10,8, 18,6)

16,3

(13,9, 19,2)

tmax [h]

9,9

± 2,4

9,9

± 2,4

 

Plasmakonzentrationen von Propiverin bei 10 gesunden Probanden nach Einmalgabe von Propiverinhydrochlorid 30 mg und Propiverinhydrochlorid 45 mg Kapseln mit modifizierter Freisetzung:

Bild 1

Steady-state-Eigenschaften von Propiverin nach wiederholter Gabe von Propiverinhydrochlorid 45 mg Kapseln mit modifizierter Freisetzung (s.i.d. über 7 Tage) an 24 gesunden Probanden:

 

Mittelwert

(geometrisch)

± SD-Intervall

ASC0-24h [ng/h/ml]

1711

1079, 2713

PTF* [%]

109,4

81.2, 147,5

Caverage [ng/ml]

71

45,0, 113,0

Cmax [ng/ml]

105

71, 155

Cmin [ng/ml]

29

20, 42

t½ [h]

20,4

12,8, 32,3

tmax [h]

7,3

± 2,5

 

* PTF: peak-trough Fluktuation

Plasmakonzentrationen von Propiverin am Tag 7 und Tal-Plasmaspiegel nach wiederholter Gabe von Propiverinhydrochlorid 45 mg Kapseln mit modifizierter Freisetzung (s.i.d. über 7 Tage) bei 24 gesunden Probanden:

Bild 3

Metabolismus

Propiverin wird extensiv durch intestinale und hepatische Enzyme metabolisiert. Der Hauptabbauweg schliesst die Oxidation des Piperidyl-N ein und wird durch CYP 3A4 und die Flavin-haltigen Monooxygenasen (FMO) 1 und 3 vermittelt und führt zur Bildung des deutlich weniger aktiven N-Oxids, dessen Plasmakonzentration die der Ausgangssubstanz deutlich übersteigt. Vier Metaboliten wurden im Urin nachgewiesen, drei davon sind pharmakologisch aktiv und können zur therapeutischen Wirksamkeit beitragen.

In vitro ist eine geringfügige Hemmung von CYP 3A4 und CYP 2D6 messbar, die bei Konzentrationen auftritt, die die therapeutischen Plasmakonzentrationen um das 10- bis 100-fache übersteigen.

Elimination

Nach oraler Gabe von 30 mg 14C-Propiverinhydrochlorid an gesunde Probanden wurden innerhalb von 12 Tagen 60% der Radioaktivität im Urin und 21% der Radioaktivität in den Faeces gefunden. Weniger als 1% einer oralen Gabe wird unverändert mit dem Urin ausgeschieden. Die mittlere totale Clearance nach einmaliger Gabe von 30 mg beträgt 371 ml/min (191 - 870 ml/min).

Linearität/Nicht Linearität

Die pharmakokinetischen Parameter von Propiverin und Propiverin-N-Oxid nach oraler Gabe von 10 – 45 mg Propiverinhydrochlorid stehen in einem linearen Zusammenhang mit der Dosis.

Korrelation zwischen oraler Dosis von Propiverin mit veränderter Wirkstofffreisetzung und resultierender AUC 0-∞

Bild 5

Korrelation zwischen oraler Dosis von Propiverin mit veränderter Wirkstofffreisetzung und resultierender Cmax:

Bild 7

Kinetik spezieller Patientengruppen

Leberfunktionsstörungen

Verglichen mit 12 gesunden Kontrollpersonen war die Steady-state-Pharmakokinetik ähnlich der von 12 Patienten mit milder bis moderater Leberfunktionseinschränkung durch eine Fettleber. Für schwere Leberfunktionseinschränkungen liegen keine Daten vor.

Nierenfunktionsstörungen

Aus einer Untersuchung mit einmaliger Gabe an 12 Patienten mit einer Kreatininclearance <30 ml/min wurde geschlussfolgert, dass eine schwere Nierenfunktionseinschränkung die Eliminierung von Propiverin und seinem Hauptmetaboliten Propiverin-N-Oxid nicht wesentlich ändert. Eine Dosisanpassung ist nicht notwendig.

Ältere Patienten

Der Vergleich von Tal-Plasmakonzentrationen während des Steady state zeigt keinen Unterschied zwischen älteren Patienten (60 – 85 Jahre; Mittelwert 68) und jungen gesunden Probanden. Das Verhältnis der Muttersubstanz zum Metaboliten bleibt bei älteren Patienten unverändert, was darauf hindeutet, dass die metabolische Umsetzung von Propiverin in seinen Hauptmetaboliten Propiverin-N-Oxid nicht altersabhängig oder nicht limitierend bei der Gesamtausscheidung ist.

Da in einer GCP-konformen Studie die Bioäquivalenz von Propiverinhydrochlorid 15 mg überzogenen Tabletten t.i.d. und Propiverinhydrochlorid 45 mg Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung s.i.d. gezeigt werden konnte, kann dasselbe für Mictonorm 30 mg Hartkapseln geschlussfolgert werden.

Patienten mit Glaukom

Die Behandlung mit Mictonorm 30 mg führt nicht zu einer Erhöhung des Augeninnendrucks bei Patienten mit Weitwinkelglaukom und bei Patienten mit behandeltem (kontrolliertem) Engwinkelglaukom. Dies wurde in 2 Placebo kontrollierten Studien mit Propiverinhydrochlorid 15 mg überzogene Tabletten t.i.d. über 7 Tage gezeigt.

Präklinische Daten

In Langzeituntersuchungen mit oraler Gabe an zwei Säugetierarten waren die wichtigsten behandlungsbezogenen Effekte Veränderungen in der Leber (einschliesslich Erhöhung der Leberenzyme). Diese waren durch Leberhypertrophie und -verfettung gekennzeichnet. Die Verfettung war nach Abbruch der Behandlung reversibel.

Es wurden keine Effekte auf die Fruchtbarkeit und das Fortpflanzungsverhalten in Studien mit männlichen und weiblichen Ratten beobachtet.

In Untersuchungen an trächtigen Weibchen kam es bei hochdosierter oraler Verabreichung des Wirkstoffes zu einer verzögerten Skelettentwicklung bei den Nachkommen. Bei laktierenden Säugetieren wurde Propiverin in die Milch ausgeschieden.

Es wurde kein Hinweis auf Mutagenität gefunden. Eine Karzinogenitätsstudie an Mäusen zeigte bei hoher Dosierung eine erhöhte Inzidenz an hepatozellulären Adenomen und Karzinomen bei männlichen Tieren. In einer Karzinogenitätsstudie an Ratten traten bei hoher Dosierung bei männlichen Tieren hepatozelluläre Adenome, Nierenadenome und Harnblasenpapillome auf, während bei weiblichen Tieren bei hoher Dosierung endometrische Bindegewebspolypen auftraten. Alle Tumore wurden jedoch als artspezifisch und daher nicht als klinisch relevant eingeschätzt.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Nicht zutreffend.

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Nicht über 30°C lagern.

Den Behälter in der Originalverpackungaufbewahren, um den Inhalt vor Feuchtigkeit zu schützen.

Ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.

Zulassungsnummer

67514 (Swissmedic)

Packungen

Blister aus PVC/PVDC und Aluminiumfolie in Schachteln mit 7, 28 oder 84 Kapseln. (B).

Zulassungsinhaberin

Labatec Pharma SA, 1217 Meyrin (GE)

Stand der Information

Ausländisches Vergleichsarzneimittel: November 2017

Ohne sicherheitsrelevante Ergänzungen von Swissmedic: März 2020